2020 legen wir in unserer DigiTalk-Serie den Fokus auf die Vorstellung relevanter disruptiver Technologien. Solche Innovationen verändern Märkte und bewirken einen grundlegenden Wandel gewohnter Abläufe sowie Strukturen in Unternehmen als auch in der Gesellschaft. Cloud Computing stellt einen jener dieser technologischen Trends dar.

Der DigiTalk vom 23.09.2020 zum Thema Cloud Computing fand mit entsprechenden Corona-Sicherheitsmaßnahmen statt. Zusätzlich wurde die Veranstaltung per Microsoft Teams übertragen. Die Videoaufzeichnung (unterteilt in drei Videokurzschnitte zu den jeweiligen Präsentationen der Vortragenden) steht Ihnen auf unserem YouTube-Channel zur Verfügung.

Definition von Cloud Computing:

„Cloud Computing ist eine standardisierte IT-Fähigkeit (Service, Software oder Infrastruktur), die über das Internet zur Verfügung gestellt, nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet wird und über Selbstbedienung bereitgestellt wird.“ – Forrester Research (aus dem Vortrag von Werner Illsinger)

Die Cloud-Technologie und die damit einhergehende Flexibilität für Unternehmen hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Besonders das Thema Sicherheit wird jedoch noch als zentrale Herausforderung und Hemmfaktor gesehen. In diesem DigiTalk wurden die Technologie sowie deren Vor- und Nachteile vorgestellt.

Cloud Computing – Was ist eine Cloud und wofür braucht man sie?

 Werner Illsinger
Präsident der Digital Society
Werner Illsinger hat nach der Absolvierung des TGM einen der ersten Internet Provider in Österreich aufgebaut, er blickt auf langjährige Erfahrung im Vertrieb sowie internationalem Management bei Microsoft zurück. Zuletzt war er Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik Consulting. Als Gründer des Vereins Digital Society ist es ihm ein Anliegen, Menschen und Organisationen dabei zu unterstützen, die digitale Transformation positiv zu gestalten und zu nutzen.

Gleich zu Beginn des DigiTalks wurde erklärt, dass es keine Cloud gibt, sondern nur anderer Leute Computer: „There is no cloud, it´s just someone else´s computer.” Unter Cloud Computing wird die Auslagerung von IT-Diensten wie Datenspeicherung, Rechenleistung oder Anwendungssoftware über das Internet verstanden. Musste man früher noch neue Hardware-Server anschaffen und im eigenen Rechenzentrum installieren, so kann man heutzutage virtuelle Server mieten und binnen kurzer Zeit benutzen.

Unternehmen setzen vor allem aufgrund der Aufwands- und Kosten-Ersparnis sowie Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit auf Cloud-Lösungen. Zudem sind Cloud-Rechenzentren energieeffizienter.

Es gibt dabei drei Cloud-Modelle: Public, Private und Hybrid.

Die Public Cloud ist die kostengünstigste Variante und für jeden offen. Darunter fällt die private Speicherung von Fotos oder private Nutzung von E-Mail-Diensten. Die Private Cloud zeichnet sich durch höhere Sicherheitsstandards aus. Bei der Hybrid Cloud werden Public und Private Cloud-Aspekte kombiniert, sprich Kosteneinsparung mit Sicherheitsstandards.

Unternehmen stehen die folgenden typischen Cloud-Anwendungen (Services) zur Verfügung:

 

  • Infrastructure as a Service (Iaas): Umfasst den Aufbau der technischen Infrastruktur einer Cloud-basierten Technologie wie Rechenleistung, Netzwerke oder Speicherplatz (für IT-Betreiber). Beispiele: aws, Microsoft Azure
  • Platform as a Service (PaaS): Das ist eine Plattform, welche Entwickler bei der Erstellung eigener Software-Anwendungen unterstützt. Beispiele: aws, Microsoft Azure
  • Software as a Service (Saas): Das sind reine Software-Anwendungen, die Unternehmen kaufen und nutzen können (für Anwender). Beispiele: Microsoft 365, slack

Abbildung: Vergleich unterschiedlicher Cloud Lösungen; Quelle: https://azure.microsoft.com/de-de/

Pizza as a Service

Die Entscheidung für eine bestimmte Cloud-Lösung kann mit dem Plan, eine Pizza zu essen verglichen werden. Sie können die Pizza selbst machen (On Premise), eine Tiefkühlpizza kaufen (Iaas), eine Pizza beim Lieferdienst bestellen (Paas) oder eine Pizza im Restaurant essen (SaaS). Ihre Entscheidung wird davon abhängigen, wie viel Zeit, Knowhow oder Zutaten Sie zur Verfügung haben. So verhält es sich auch bei der Wahl einer notwendigen Software-Lösung.

Herausforderungen

Die weitaus größte Herausforderung stellt das Thema Datenschutz beim Transfer personenbezogener Daten aus der EU an Drittstaaten dar (EU-US Privacy Shield-Abkommen). Eine weitere Herausforderung ist die schlechte Netzwerkqualität in Unternehmen sowie in privaten Haushalten. Österreich steht im Europa-Vergleich an letzter Stelle im Breitbandausbau. Besonders in der Coronakrise stellte die fehlende Bandbreite ein Problem bei Videokonferenzen dar. Zudem ist Europa gegenüber Asien und Amerika bei der Produktivität stark zurückgefallen.

Fast forward with AWS

 SEbastian Eckler

Sebastian Eckler 
Technologieberater, Amazon Web Services (AWS) Österreich  Sebastian Eckler war der erste österreichische Mitarbeiter für das Team Österreich bei AWS und „Gründungsmitglied“ von AWS Österreich, das seit 2020 mit einer eigenständigen Zweigniederlassung in Wien vertreten ist. Davor war er mehrere Jahre Mitarbeiter bei Microsoft Österreich und erlebte dort die Anfänge des Cloudgeschäfts in Österreich.

Sebastian Eckler stellte die Entwicklung von Amazon Web Services (AWS), ein US-amerikanischer Cloud Computing-Anbieter, der 2006 als Tochterunternehmen des Online-Versandhändlers Amazon.com gegründet wurde, vor. Dabei klärte er über die strategische Unternehmensausrichtung von Amazon auf, welche heute Maßstab für globale Standards im Kundenmanagement ist.

Nachdem Amazon 1994 mit dem Buchversand über eine Internetplattform startete, entwickelte es sich daraufhin rasch weiter. 2006 brachte Amazon Web Services (AWS) seine IT-Infrastrukturplattform auf den Markt und löste damit einen Paradigmenwechsel in der IT-Welt aus: die Bereitstellung von IT Services für Developer und Unternehmen über das Internet mit einem „pay-As-you-go“ Preismodell. 

Innovation steht stets im Zentrum der Amazon-Angebote: “At Amazon, innovation is not centralized, it is happening across the organization.”

Der Innovationsprozess von Amazon basiert auf folgenden 4 Prinzipien:

  • Mechanismus: Ausrichtung auf Kunden, den Kunden und seine Bedürfnisse ins Visier nehmen
  • Architektur: agiles Vorgehen
  • Organisation: selbstorganisierte autarke Teams, diese können eigene Ideen umsetzen
  • Kultur: „Kundenbesessenheit“, stark kundenzentriert, positive Fehlerkultur, Führungsstil mit Offenheit und Experimentierfreude

Amazon hat sich zum Ziel gesetzt, das weltweit kundenorientierteste Unternehmen zu sein. Dazu benötigt es neben dem Kundenfokus ebenso den Willen, Experimente zu finanzieren und durchzuführen, bei welchen der Outcome nicht bekannt ist. Ein Beispiel hierfür stellt das „Amazon Firephone“ dar, das keinen wirtschaftlichen Erfolg brachte, jedoch den Grundstein für die Entwicklung der maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing / Programming; NLP) legte, Beispiel: Alexa.

Der Startschuss für Amazon Web Services

Amazon betreibt eigene Rechenzentren und entwickelte dabei hohe Kompetenz. So kam es, dass sich Amazon dazu entschloss, eine neue Kundengruppe zu adressieren und diese Services anderen anzubieten.

Bedeutende Zukunftsthemen für AWS stellen Machine Learning und der Einsatz Künstlicher Intelligenz dar. AWS stellt hier sowohl Hardware als auch fertige Services zur Verfügung.

Gründe für die Migration in die Cloud stellen dabei die Agilität, Produktivität und Kosteneinsparung dar. Services können in der Cloud auf Knopfdruck aktiviert werden, während es im eigenen Rechenzentrum oft lange dauert, bis sie überhaupt installiert werden. Ein weiterer Treiber ist die Generierung von Innovationen (wie kann ich verändern, mithalten, Kunden besser bedienen und schneller sein als die Konkurrenz). Zudem werden durch die Migration in die Cloud Ressourcen freigemacht, nämlich die Fähigkeiten der MitarbeiterInnen.

Für Eckler stellt die Ausbildung von Menschen, die sich in Zukunft um die Cloud Adoption kümmern eine Herausforderung dar. Daher ist es auch von zentraler Bedeutung zukünftig berufliche Skills für Cloud Computing aufzubauen.

Ein wesentliches Prinzip dabei ist: “Wir stehen immer am Anfang”. Es gibt immer neue Probleme, unzufriedene Kunden und Herausforderungen, die zu meistern sind. Die Vision aller Unternehmen sollte daher lauten, für den Kunden zu arbeiten, so Eckler.

Die Vorteile und Herausforderungen von Cloud Computing

 

Martina Grom 
Geschäftsführerin von atwork

Martina Grom ist Gründerin und Geschäftsführerin von atwork.at, einem Microsoft Gold Certified Partner und Microsoft Cloud Solution Provider in Wien. Als anerkannte Expertin für Cloud Services, Microsoft MVP und Microsoft Regional Director unterstützt sie Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Lösungen in der Cloud und bietet Beratung rund um Microsoft 365, Microsoft Azure, Architektur, Security, Governance, Enterprise Social, Automation und die Optimierung von Business-Prozessen an. 

Cloud Computing treibt Innovation in Unternehmen voran. Services entwickeln sich laufend weiter, es gibt ständig Verbesserungen.

Microsoft Cloud Services

  • Microsoft 365 als Software as a Service (Anmerkung: dazu zählt nicht nur Microsoft Office)
  • Microsoft Azure als Software as a Service und Infrastructure as a Service
  • Dynamics 365 als Unternehmensservices zur Vernetzung und Kommunikation innerhalb von Unternehmen

„Die Zukunft von Cybersecurity ist in der Cloud.“ Aktuelle Angriffe richten sich gegen Unternehmen, um sensible Daten zu erhalten oder in Geiselhaft zu nehmen, Stichwort Verschlüsselungstrojaner. 

Azure: The Trusted Cloud

Wenn es um die Migration in die Cloud geht, spielt Vertrauen eine entscheidende Rolle. Um das volle Potenzial der Cloud Computing Technologie auszuschöpfen ist Transparenz bei der Verwaltung von Unternehmensdaten nach den geltenden Datenschutz- und Rechtsvorschriften erforderlich.

Das weitaus größere Problem als die Frage nach der Sicherheit von den in der Cloud gespeicherten Daten sieht Grom jedoch in der Unwissenheit der Gesellschaft bezüglich der alltäglichen Verwendung der Cloud. Der Mehrheit der Bevölkerung ist nicht bewusst, wie und wo Cloud Computing eingesetzt wird. So wird der Cloud-Speicher beispielsweise bei jedem Smartphone verwendet, um Fotos zu speichern und zu verwalten. Ebenso sind die Routenplanung und andere Internetservices im Auto Beispiele für die Nutzung von Cloud-Services.

Vorteile der Microsoft Cloud sind die Kosten (Bezahlung nach tatsächlichem Verbrauch), Geschwindigkeit, Produktivität, globale Skalierung, Leistung (verwendet Services nur solange sie benötigt werden), Zuverlässigkeit und Sicherheit. Gerade bei großen Unternehmen wie Microsoft sind Kundendaten geschützt, da Microsoft sehr viel in Sicherheitsmaßnahmen investiert.

Trotz der Auslagerung in die Cloud bleiben, laut Grom, viele Herausforderungen bestehen, da man selbst weiterhin für die optimalen Business- und die dahinterstehenden technischen Entscheidungen verantwortlich bleibt. Daher ist es notwendig, Knowhow aufzubauen, wie Cloud Services optimal genutzt werden können. Beispielsweise schlägt sich zu viel in Anspruch genommene Leistung in hohen Kosten nieder.

Digitale Transformation

Die Zukunft eines jedes Unternehmens liegt in der Digitalisierung – jedes Unternehmen muss digital denken und handeln.

Die Coronakrise hat die digitale Transformation zwangsweise beschleunigt – und damit auch die Cloud-Nutzung, beispielsweise wird Microsoft Teams seit März verstärkt an den Schulen eingesetzt.

Trotzdem wird die Digitalisierung laut Grom noch immer zu langsam vorangetrieben. Beispielsweise fehlt es an Unterstützung für Unternehmen, vor allem KMUs, wie sichere Videokonferenzen und eine sichere Verbindung im Homeoffice stattfinden und Zoom-Konferenzen und Mitarbeiterkommunikation via WhatsApp durchgeführt werden können.

Zum Abschluss wurde die Veränderung der Arbeitsweisen durch die Cloud-Technologie diskutiert. Eine gravierende Änderung könnte das Reiseverhaltung betreffen. Es wird in Zukunft vielleicht weniger Reisen geben, weil Meetings per Videokonferenz Remote Assist möglich sind.

Feedback und Ausblick

Werden Cloud-Anwendungen unsere Arbeitsweise und Geschäftsmodelle revolutionieren? Können sich AnwenderInnen auf die Sicherheit von Cloud-Lösungen verlassen? Die Auswirkungen von Cloud Computing auf unsere Gesellschaft werden wir bei unserem nächsten DigiTalk am 21.10.2020 in Form einer Podiumsdiskussion diskutieren. Link zur Anmeldung: https://digisociety.ngo/veranstaltungen/digitalk-cloud-computing-auswirkungen-auf-die-gesellschaft/

Wir hoffen, Sie persönlich oder online begrüßen zu dürfen.

 

Impressionen des DigiTalks vom 23.09.2020 (Foto: Alfons Parovszky)  

 

Nach Ihrer Anmeldung können Sie Kommentare zu dieser und Fragen zur kommenden Veranstaltung hinterlassen. Ebenso können Sie Feedback, Anregungen und Fragen auf unseren Social Media-Kanälen deponieren:

Facebook
Twitter
LinkedIn

Sie erreichen uns per E-Mail unter: info@digisociety.at

 

Haben Sie schon unseren Newsletter abonniert?

Sie möchten uns unterstützen? Werden Sie noch heute Privat– oder Firmenmitglied und profitieren Sie von unseren Angeboten.

Nicole Kirowitz

Projektleitung bei Digital Society
Mag.a. Nicole Kirowitz studierte an der Universität Wien Psychologie und Romanistik. Sie engagierte sie sich in Ihrer Freizeit ehrenamtlich in Hilfsorganisationen in Belgien, Lateinamerika als auch beim Wiener Hilfswerk. 2015 schloss Nicole Kirowitz ihre Ausbildung mit einem Praktikum bei der UNO in Bangkok im Bereich des internationalen Handels ab. Nach Ihrer Rückkehr koordinierte sie Studierendenkurse an einem Bildungsinstitut in Wien. 2018 schloss Nicole Kirowitz einen MBA in International Management in Lille ab und arbeitet nun seit 2019 als Projektkoordinatorin bei der Digital Society.
Zur Werkzeugleiste springen