In Deutschland wird gerade heftig aufgrund der wieder, trotz Lockdown steigenden Infektionszahlen über das Thema “Homeoffice Verpflichtung” diskutiert. Die Arbeitgeber sollten, wo dies möglich ist, einen größeren Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten. Wenn man sich die Statistik der Ansteckungen des Robert Koch Instituts ansieht, dann macht das durchaus Sinn:

Die Anzahl der Ansteckungen in der Freizeit (abgesehen von im gleichen Haushalt wohnenden wo eine Ansteckung eigentlich nicht zu verhindern ist) ist deutlich geringer als jene am Arbeitsplatz. Die Gastronomie und der Einzelhandel und Hotellerie kommen hingegen als signifikante Größen kaum vor. Ich stelle noch immer die These auf, dass verpflichtendes Homeoffice Verpflichtung in der Pandemiebekämpfung mehr bringen würde als das Schließen von Restaurants, Geschäften und der Hotellerie. Und es würde auch Volkswirtschaftlich wesentlich weniger Schaden anrichten.

Die Ansicht, die ich persönlich auch unterstütze ist Homeoffice für jene Arbeiten verpflichtend zu machen, bei denen das auch möglich ist. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass vor allem viele Tätigkeiten in produzierenden Unternehmen nicht ins Homeoffice verlagert werden können. Aber selbst dort ist sehr viel möglich. In einem Gespräch mit einem Geschäftsführer eines unserer Mitgliedsbetriebe habe ich gelernt wie viel Homeoffice selbst in einer Fertigungsfabrik in der Produktion möglich ist und wie gut das funktioniert.

Wir haben aber auch in unseren DigiCircles für die Geschäftsführung gelernt, wie viel Skepsis es noch im März 2020 gab Mitarbeitende von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Es herrscht in vielen Köpfen von Führungskräften noch immer die Meinung vor, dass wenn man die Mitarbeitenden nicht durch physische Anwesenheit überwachen kann, dass diese dann nicht produktiv sind. Im Bereich der Wissensarbeitenden ist das alles Kopfkino. Selbst wenn jemand den ganzen Tag im Büro sitzt und in seinen Bildschirm starrt, ist nicht sicher dass diese Person auch etwas arbeitet. Ich hatte selbst in der Rolle des Geschäftsführers in einem österreichischen Konzern Diskussionen mit meinem Eigentümer, ob ich meine Mitarbeitenden am Montag oder am Freitag von zu Hause aus arbeiten lassen darf. Das Argument meiner Eigentümer war, dass die Leute sich dann ja ein verlängertes Wochenende machen würden. Meine Antwort war, dass sie auch in der Firma den ganzen Tag Kaffee trinken könnten oder Moorhuhn spielen (oder welches Spiel derzeit gerade aktuell ist).

Homeoffice funktioniert und die Unternehmen brauchen sich davor nicht zu fürchten, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Technische Voraussetzungen
    Es müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Viele Unternehmen haben im März damit begonnen ihre Mitarbeitenden mit Notebooks auszustatten und in vielen Fällen auch mit Smartphones. Es wurden plötzlich Projekte für die Einführung von Zusammenarbeitslösungen möglich, die vorher alle auf die lange Bank geschoben wurden. Hier hat sich in vielen Unternehmen schon sehr viel getan im letzten Jahr.
  2. Internet Zugang zu Hause
    Es hat sich gerade am Anfang des Lockdowns gezeigt, wie schlecht manche Internet Anbindungen sind. In vielen Bereichen waren Videokonferenzen nicht möglich, vor allem wenn man Teilnehmer aus z.B. den Randgebieten von Wien dabei hatte. Auch in der Steiermark war es auffällig, dass viele Teilnehmer in Konferenzen Probleme hatten. Es hat sich auch gezeigt, dass vor allem Teilnehmende mit mobilen Internet Anbindungen (Stichwort Internet-Würfel) größere Probleme hatten als solche mit fixen Anbindungen.
    Ein Problem ist hier der schlechte Breitband Ausbau in Österreich. Viel zu lange haben die Mobilfunkbetreiber dafür lobbyiert das Geld in mobiles Breitband zu investieren. De Glasfaserausbau wurde sträflich vernachlässigt (WIr sind hier Schlusslicht in der Europäischen Union). Das rächt sich nun.
    Hier ist auch das Thema zu lösen, in welcher Form sich Arbeitgeber an den Kosten für die Infrastruktur beteiligen. Es hat sich eben gezeigt, dass Homeoffice höhere Ansprüche an das Internet hat, als die private Nutzung.
  3. Motivation der Mitarbeitenden
    Es hat sich im Lockdown gezeigt, dass Mitarbeitende zu Hause, wenn Sie gerne für ihr Unternehmen arbeiten und motiviert sind, oft mehr Leistung erbringen, als sie das im Büro tun würden. Gründe dafür können sein, dass der Arbeitsweg wegfällt und man in dieser Zeit auch arbeitet. Andere Gründe können sein, dass zu Hause die Störungen durch Kolleginnen und Kollegen wegfallen und man (so nicht Kinder parallel von zu Hause aus lernen und diese beaufsichtigt werden müssen) sich vielleicht auch in ruhigerem Umfeld besser konzentrieren kann.
  4. Das Arbeitsumfeld passt
    Zu Hause sollten Mitarbeitende ein vernünftiges Arbeitsumfeld haben (Schreibtisch, externer Bildschirm, Maus und Tastatur) wenn möglich in einem ruhigen Raum wo man nicht ständig gestört wird. Das ist natürlich nicht bei allen Mitarbeitenden der Fall und möglich. Wenn man mit einer Familie mit Kindern in einer Dreizimmerwohnung wohnt, wird es sich nicht einrichten lassen. Bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes zu Hause sind Arbeitgeber gefordert die Mitarbeitenden nicht nur mit der notwendigen Hardware zu unterstützen, sondern auch mit dem notwendigen Wissen von Arbeitsmedizinern um den Arbeitsplatz richtig zu gestalten (das ist ja auch bei Arbeitsplätzen in Unternehmen vorgeschrieben).
  5. Führung
    Führungskräfte sind gefordert ihr Führungsverhalten zu ändern und ihre Vorurteile gegenüber ihren Mitarbeitenden abzubauen. Moderne Führung heißt Mitarbeitenden zu vertrauen und nicht nur Arbeit, sondern auch Verantwortung zu delegieren. Zusätzlich sind Unternehmen erfolgreicher, bei denen ihre Mitarbeitenden den Sinn ihrer Arbeit erkennen und verstehen wie ihre Arbeit zur Erreichung des Unternehmens-Sinns beiträgt. Wenn Mitarbeitende dann auch eigenverantwortlich innerhalb gewisser Leitlinien Entscheidungen treffen können und ihnen die Führungskraft die notwendige Unterstützung dabei gibt, dann Funktioniert Homeoffice und bringt auch Vorteile für das Unternehmen aber auch für Mitarbeitende.

Der neue Arbeitsminister Martin Kocher kündigt auch an, dass es bald neue Regelungen geben wird, die auch die Besteuerung betrifft und dass es bald neue Regelungen geben wird. Wichtig wäre hier, dass nicht nur Homeoffice bedacht wird, Mitarbeitende sind mobil und können mittlerweile überall arbeiten. Es geht also nicht nur um Homeoffice. Gesetzliche Regelungen für  Homeoffice Verpflichtung unter gewissen Bedingungen wäre hilfreich, damit Unternehmen ihre Skepsis weiter abzubauen. Es sollten Arbeitnehmende aber nicht verpflichtet werden dürfen im Homeoffice arbeiten zu müssen, denn manche haben einfach nicht das Umfeld um das tun zu können. In vielen Unternehmen, das hat sich auch aus unseren Gesprächen mit Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern ergeben ist hier im letzten Jahr schon viel passiert. Es gibt aber auch weiterhin noch viel zu tun um hier ein positives Umfeld für die digitale Transformation in Österreich zu schaffen.

Unsere Digitalks im 1. Quartal beschäftigen sich mit diesem Thema

Auch unsere DigiCircles für Führungskräfte in Unternehmen werden sich weiterhin mit den Themen auseinandersetzen

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Werner Illsinger

Präsident bei Digital Society
Werner Illsinger hat nach der Absolvierung HTL Nachrichtentechnik am TGM einen der ersten Internet Provider in Österreich aufgebaut, er hat langjährige Erfahrung im Vertrieb, sowie internationalem Management bei Microsoft sowie als Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik Consulting. Er ist Strategieberater und Lektor für Digital Transformation Management an der Carinthia University for Applied Sciences.
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